Von Teufeln und Engeln

auf der Suche nach dem diabolischen und engelshaften in Piazzollas Musik

MLT_Teufel_Engel_003Von Teufeln und Engeln ist die neue Produktion des preisgekrönten Frankfurter Ensembles Mi Loco Tango überschrieben – es ist eine Hommage an Astor Piazzolla. Der große Tango-Innovator hat eine ganze Reihe von Originalkompositionen immer wieder den Engeln oder Teufeln gewidmet und auf vielen seiner Veröffentlichungen verstreut. Jetzt werden diese kleinen Geschichten vom Ensemble Mi Loco Tango zum ersten Mal zusammengefasst und gegenübergestellt.
„In meiner Geschichte mischen sich Teufel und Engel... man muss von allem etwas haben.“
So der Meister des Tango Nuevo, Astor Piazzolla. Anlass genug, für das Frankfurter Quartett in seinem zweiten Tango-Programm dieser Aussage auf den Grund zu gehen. Im Mittelpunkt stehen die beiden Zyklen „Del Diablo“ und „Del Angel“ – selten gespielte Werke des argentinischen Komponisten.
Virtuosität haben die vier Musiker schon in den vergangenen Jahren mit Werken von Piazzolla bewiesen, so sind sie mittlerweile auch preisgekrönt (Weltmusikpreis „creole 2007“ & Preisträger des 2. Astor Piazzolla Festival „Libertango“). Nach seinem letzten musikalischen Ritt durch die Welt der italienischen Filmmusik, rückt das Ensemble jetzt Teufeln und Engeln auf den Leib. Sie zeigen auf wie teuflisch ein Engel, oder auch wie magisch anziehend der Teufel sein kann. Dafür heult die Geige gerne wie ein Werwolf, der Kontrabass wird zum percussiv-peitschenden Folterinstrument, das Klavier zum himmlischen Elysium, und das Bajan spielt sein ganzes Können aus, von den dunkelsten Registern bis hin zu den höchsten Orgeltönen. Mi Loco Tango spannt einen kontrastreichen Bogen durch das Schaffen von Astor Piazzolla und hat dabei auch den Mut zum Unerwarteten. So ließ sich das Quartett beispielsweise für das Melodram „El Tango“ (der Text dazu stammt im spanischen Original vom großen argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges) eine deutsche Übersetzung (von Rainer Dachselt) anfertigen und lud den Schauspieler und Regisseur Willy Praml (im Übrigen auch Vater des Kontrabassisten Gregor Praml) ins Studio, um die neue Fassung gemeinsam einzustudieren und damit eine absolutes Novum in Sachen Piazzolla-Interpretation zu schaffen. Auch Alberto Mompellio, der Mi Loco Tango schon als kongenialer Arrangeur bei deren Filmmusik-Album „Il Cinema: il Paradiso!“ zur Seite stand, ist erneut mit von der Partie. Er zeichnet sich verantwortlich für die Ausfeilung der Arrangements zu Adios Nonino und Mumuki, denen er durch seinen Ansatz als Italiener eine völlig neue Note in Sachen Tango Nuevo verpasst hat.
Mi Loco Tango macht mit seinem neuem Album „Del Diablo y del Angel“ deutlich, dass der Tango, den sie spielen, eine Angelegenheit von Herz und Seele ist. Er kommt tief aus ihren Innersten.